Hilfe, ich bin Blogger…
Da haben wir es wieder. Ein Journalist beginnt die Blogger zu bashen. Ich habe lange und vor allem regelmässig die Kolumne “Fichtners Tellergericht” auf Spiegel Online gelesen. Für mich kam das einem Blog eines Food-Begeisterten gleich, der versucht, der Welt besseres Essen beizubringen, indem er über ihre Abgründe schreibt. Und ich muss zugeben, viele bisherige Artikel von Herr Fichtner sind ausserordentlich lesenswert. Doch was er sich jetzt geleistet hat, das ist aus meiner Sicht unverzeilich. Herr Fichtner hat es sich anscheinend zur Aufgabe gemacht, seine Stammleser zu vergraulen.
In einem Artikel macht er in einem Rundumschlag einen Großteil der Foodblog-Welt nieder. Ich weiss nicht, was Herrn Fichtner geritten hat. Ich finde, es ist, gelinde gesagt, ein Griff in den vergammelnden Suppentopf.
Vielleicht sollten wir im nächsten Schritt noch mal die deutschen Restaurantköche angreifen. Denn wenn Herr Fichtner mal die Blogs lesen würde, die er auflistet, dann würde er sehen, dass viele Blogger um Welten besser kochen, als Restaurantköche, die uns Fertigfrass vorsetzen, wo es nur geht. Warum sind eigentlich die Foodblogs nicht verlinkt? Hat Herr Fichtner Angst, seine Leser könnten anderer Meinung sein? Oder waren die einfach nicht bereit den entsprechenden Preis für eine Verlinkung zu bezahlen?
Und wenn Herr Fichtner lieber alle Blogs durchlesen will, um etwas zu finden, dann möge er das tun. Wer sich auch nur ein klein bisschen in der Welt der Blogs auskennt, der weiss auch, wie man eine Suchfunktion bedient, um selektieren zu können. Von so Kleinigkeiten abgesehen, dass in dem Artikel nicht mal Blogs von statischen HTML-Seiten unterschieden werden, vermute ich, dass Herr Fichtner kein einziges der kritisierten Blogs auch nur länger als ein paar Sekunden gesehen hat. Da kann man auch mal eine Schweizerin in Spanien nach Wien verfrachten. Wer merkt das schon.
Vor allem sehe ich in diesem Artikel eins. Eine eindeutige Provozierung, um mehr Klicks zu erhalten. Und so traurig es ist, es hat funktioniert. Vielleicht wurde Herrn Fichtner auch nahegelegt, doch etwas zu schreiben, was ihm mehr Leser bringt, als den Blogs. Sind wir ein bisschen neidisch, Herr Fichtner?
Besonders angetan hat es mir dieser Satz von Herr Fichtner:
Das digitale Selbstgespräch ist ein Hobby, das mir seltsam fremd bleibt.
Da kann ich nur sagen, Herr Fichtner, hängen Sie Ihre Tastatur an den Nagel und hören Sie auf zu schreiben. Ihre Kolumne, die auch nichts anderes ist, als ein Selbstgespräch Ihres Hobbys. Und nach Ihrem letzten Beitrag haben Sie sich weiter unter das Niveau begeben, über das Sie sich beklagen.
Lange Zeit gehörte Fichtner für mich zur Pflichtlektüre. Diese Zeit endet heute. Ich lese dann lieber Foodblogs, die gehen kritisch mit ihrem Thema um. Und nicht mit ihren Konkurrenten.